Abenteuer Dresden – Ankunft ungewiss – Manchmal ist das Leben ein Witz….

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Raus aus dem Haus, alleine ohne meine Männer unterwegs sein – ja, darauf habe ich mich so sehr gefreut! Die Wochen vor dem Wochenende mit meiner Mutter in Dresden habe ich rückwärts gezählt. Ich brauchte eine kurze Auszeit aus dem Alltag und aus Hamburg.

Somit war ich frohen Mutes in den Morgen gestürzt, packte noch meine Kulturtasche mit dem Nassrasierer und der Tagescreme meines Mannes (ja – ich nutze seine Kosmetik…) und schloss den Koffer, sodass mein Mann mich zur Bahn fahren konnte. Dass genau diese beiden Utensilien uns dazu veranlassten, dass ich pikiert aus dem Haus ohne meinen Mann in Richtung Bus marschierte, war nicht Plan eines entspannten Wochenendes! Ich wundere mich immer noch, wozu er auf einmal diesen, ausgerechnet diesen Rasierer unbedingt dieses, genau dieses Wochenende brauchte… Also stand ich ziemlich angesäuert an der Bushaltestelle, schon mit einem Fuß im Bus, als mein Mann mit seinem Auto hupend an uns vorbeifuhr. Also sprang ich wieder raus und rollte mit dem Koffer zum Auto. Die Szene zu Hausse hätten wir uns sparen können, sollte wohl zum großen Abschied  dazu beitragen, wie groß die Sehnsucht ohne die Frau im Hause ist…. 

Die S-Bahn-Fahrt in Richtung Bahnhof sollte nur ein kleiner Beigeschmack zu dem werden, was dann noch folgte. Denn der ÖPNV und ich mögen uns nicht besonders… 

In der richtigen S-Bahn zu sitzen ist nicht die große Kunst, glaubt ihr. Ich saß schon mehrmals woanders und kam auch woanders an…

Somit war ich schon froh, in der richtigen zu sitzen, und dennoch mit Stress aufgrund von Bauarbeiten auszusteigen, um dann wieder angespannt zu hoffen, in der richtigen zu sitzen. Überaus pünktlich, eine Stunde vor Abfahrt, kam ich am Hauptbahnhof an. Kaufte mir noch bei Rossmann einen neuen Nassrasierer! sowie eine Tagescreme! und besorgte mir noch gemütlich! einen Kaffee, um dann am Bahngleis zwischen einer Horde Pfandfindern zu stehen.

Der Anblick ihrer Felldecken, Tassen, Taschenlampen und ihrer überaus niedlichen Uniform irritierte mich, welches ich auch auf der Insta-Story wie folgt  dokumentierte: „Manchmal ist das Leben ein Witz. Stehe zwischen Pfadfindern“.

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Wie witzig das Leben noch werden würde, zeigte sich die Minuten darauf!

Um 8:51 Uhr sollte mein Zug auf Gleis 7 einfahren. Ich stand schon einmal richtig, die Anzeige sagte es mir zumindest noch vor wenigen Minuten. Ich wurde nur kurzzeitig stutzig, dass um dieselbige Zeit ein Autozug einfuhr und mein irritierter Schulterblick zum Nachbargleis zeigte, dass ein Zug einfuhr, der ebenfalls nach Dresden fuhr.

Und wäre ich noch blond, hätte ich eventuell noch eine Entschuldigung für die Dämlichkeit, die dann folgte. (an dieser Stelle keine Despektierlichkeit gegenüber Blondinen, ich war lange genug eine…)

Meine Gedanken – ‚Ist ja lustig – der fährt ja auch nach Dresden´und drehte mich wieder um. Und als der Autozug wegfuhr, der hintere ebenfalls und die Durchsage für den Zug nach München auf meinem Gleis kam, wusste ich Bescheid.

Der panische Blick zu einer Mutter mit Tochter, die nach Dresdnern aussahen, ihr stellte ich die irritierende Frage: „Das ist doch der Zug nach Dresden, der jetzt kommen soll….?!“ Wie schnell ich mit meinem rollenden Koffer über das Gleis lief und dann noch falsch im S-Bahn-Reisezentrum ankam, war Guinness-Buch-würdig.

Die freundliche Dame: „Oh, nein, Sie sind hier leider falsch – Sie müssen dahinten hin, zum Reisezentrum der Deutschen Bahn.“ Und wieder stratzte ich über den Hamburger Hauptbahnhof, die Angst im Nacken, nicht mehr in Dresden anzukommen.

Derweil schrieb meine Mutter aus Bad Harzburg, dass sie nun im Zug sitzt und in Richtung Dresden fährt.

Dieses Reisezentrum glich einer typischen Hamburger Großbehörde mit Wartezettel auf dem Monitor. Wie ich die lesend schweißgebadet anstarrte und anbetete, endlich die 20 Personen vor mir verschwinden zu lassen, war schon hypnotisch. Gefühlte Stunden später stand ich an dem heiß ersehnten Schalter der Frau gegenüber jammernd und nun weiß ich, warum einige ihre Lebensgeschichte wildfremden Menschen erzählen ich tat es in diesem Moment ebenfalls und verfluchte mich dafür gleichzeitig.

Während ich meine Contenance verlor und ihr wie einem Wasserfall meine Sorgen mitteilte, blieb sie hanseatisch kühl, nahm meinem Fahrschein, tippte auf die Tastatur, würdigte mich nur eines kurzen Blickes und eines spartanischen Satzes: „Guten Morgen, erstmal!“ Und dieses „erstmal“ wurde scharf und lang betont.

In Notsituationen sind Menschen gewillt, vieles zu tun und auch monitär wäre ich gewillt, den hohen Preis zu zahlen und fragte:  „Was wollen Sie haben?“ Und auf ihre süffisante und dennoch hanseatische Art antwortete sie:  „Sie sind noch in der Karenzzeit gekommen, Sie zahlen nichts!“

Minuten später stand ich nun wartend auf dem richtigen Gleis mit dem ICE nach Leipzig und vielleicht sollte es so sein, denn auf der Rückfahrt wusste ich, warum ich vielleicht nicht schon auf der Hinfahrt den anvisierten EC fahren sollte…

Während meine Mutter in Dresden ankam, kutschierte ich von Leipzig mit einem Bummelzug nach Dresden und was meine Mutter mit ihrer desolaten Hüfte in den 1 1/2 Stunden alles so vollbrachte, zeugt meinen größten Respekt!

Bevor ich die Schönheit dieser Stadt kennenlernte, musste ich mich erst einmal ein wenig heimisch fühlen – mit Reisegepäck und meiner Mama zog ich durch die Dresdner Shops.

Ein Kleidchen hier, ein Oberteilchen da ließen meine Endorphine nach dem ätzenden Vormittag in die Höhe schießen. Beim Anblick des Motel Ones am Zwinger kamen sie auch so schnell nicht mehr herunter!

Was für ein überaus schönes Motel One! Der Eingangsbereich war gigantisch schick. Das Zimmer war zwar klein, so wie man es kennt, aber ausreichend und vor allem sauber! Somit empfehlenswert und hinzu kommt auch die sehr zentrale Lage – 15 Minuten zum Bahnhof, 5 Minuten zur Elbe.

Wir machten uns kurz frisch, setzen uns in ein Café mit einem Glas Weißwein, um den euphorisierten Pegel auch oben zu halten. Denn, das, was ich nach dem Tor des Zwingers sah, ließ mich staunen und es ist wirklich nicht übertrieben (auch wenn ich dazu neige…). Welch imposante Gebäude zum Vorschein in der Abendsonne kamen, kann ich nicht in Worte fassen, dies muss man sehen.

Ich war beeindruckt von der Dichte dieser wunderschönen Barockbauwerke und noch beeindruckender war ich vom Anblick der Semper Oper – nicht nur von außen, insbesondere von innen!

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Die Schöne und das Biest war die Abendaufführung an diesem Freitagabend, der doch noch zum krönenden Abschluss wurde. Ein traumhaftes Bühnenbild, ein großartiges Orchester, ein fantastischer Gesang,  der allerdings ein wenig durch den starken Akzent der Hauptdarstellerin schwer zu verstehen war.

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Beschwingt verweilten wir im Anschluss auf den Elbterrassen mit Blick zur nächtlichen Elbe und einem schönen gekühlten Weißwein bei mediterranen, abendlichen Temperaturen. Chapeau.

Und mit Chapeau ging es am nächsten Tag durch Dresden

Sightseeing, bequem mit dem Bus durch Neu- und Altstadt, mit kurzem Besuch bei der überaus sehenswerten Pfunds Molkerei. Die Gebrüder Pfund waren die Erfinder der Kondensmilch und der kleine Laden wurde mit dem Porzellan von Villeroy&Boch ausgestattet. Ebenfalls sehenswert ist das Schloss Pillnitz, das wir nachmittags besichtigten oder auch die Nachtfahrt durch das beleuchtete Dresden.

An diesem Samstag haben wir die gemütlichen und lustigen Sachsen kennengelernt, die ihre Stadt wohl genauso lieben wie die Hamburger Hamburg.

Weniger lustig und ziemlich nervig war die Lustige Entdeckungstour mit der Audio-Version eines Komikers. Wer gewollt lustig sein will, ist oft unfreiwillig unlustig und so saßen wir eingekesselt im Bus und waren dem unlustigen Humor ausgeliefert.

Ausgeliefert bin ich irgendwie auch der weiblichen Figur. Es ist, wie es ist, aber einen Bikini zu finden, der nicht nur XS-Figuren schmeichelt, ist ziemlich schwierig. Also unterwarf ich mich unfreiwillig fachmännischer Beratung. Denn die Verkäuferin, so nett sie auch war, und auch zum Glück so penetrant sie auch war, schielte immer wieder in meine Umkleidekabine und gab wertvolle Tipps. Somit ging ich zwei Nummern größer, es ist sicherlich italienisches Design- muss wohl so sein –  aus dem Geschäft und wir ließen beim Italiener neben der Frauenkirche (übrigens ebenfalls ein gigantisches Bauwerk, das gesehen werden muss) den Abend ausklingen.

Am folgenden und letzten Tag wurde es nach dem ruhigen, sinnlichen Samstag noch einmal krönend abenteuerlich.

Es ist manchmal wie im schlechten Film. Das Leben schreibt Geschichte und so auch die Dampferfahrt in Richtung Loschwitz weiter nach Pillnitz, vermutlich Endstation Prag – wer weiß das schon….

Der Ausblick vom Schiff auf die Silhouette von Dresden ist einmalig sehenswert. Entspannt wird auf der Elbe geschippert und wer möchte, steigt beim nächsten Anleger Loschwitz aus.

Es liegt nicht an unsere Bildung – oder vielleicht doch, dass Mutter und Tochter zu dämlich sind, mit ÖPNV zu fahren…  

Ja, wir wollten aussteigen (allein in Anbetracht unserer Rückfahrt nach Hause am späten Nachmittag…), nur standen wir am anderen Ende, während der Skipper wieder abzulegen drohte und ich just in diesem Moment heldenartig zu ihm sprintete, dabei die Menschen, die gemütlich einstiegen, um ihren Platz zu finden, wegschob und brüllte: „Wir müssen noch raus!“.  Und er ebenfalls heldenartig mit Arm und Fuß den Poller festhielt. Somit sprang ich über die Lücke zwischen Wasser und Festland und meine Mutter mit ihren Gehstöckern. Es muss vermutlich ein absurdes Bild von außen gezeichnet haben.

 

In Loschwitz befindet sich die weltälteste Bergbahn, die wir erwartungsvoll bestiegen. Auf dem Berg ankommend, war es allerdings enttäuschend. Eine schöne Aussicht über Dresden war zwar gegeben, aber die Erwartungshaltung war eine andere. Einmal Blick auf die Stadt, einmal schnell wieder runter in die Stadt. Im strömenden Regen ohne Regenschirm, aber dafür mit Ganzkörperanzug  – „Sie haben übrigens den Kopf im Ärmel“, so ein Sachse mir gegenüber feststellend, ging es zum Abschluss zurück in die Altstadt zum Italiener ins Italienische Dörfchen. Und hier erlebten wir ein Gaumenfeuerwerk, bis ich dann die Zugfahrt nach Hamburg erlebte.

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Am richtigen Gleis stand ich diesmal und auch der Zug war der richtige, der eintraf, aber  das, was folgte, hieß, mich  in die Vergangenheit zurückzubefördern.

Hallo 1980? Hallo DDR?! Nachdem ich mich an den Anblick dieses Waggons gewöhnt hatte, ohne Strom und Wlan (darüber war ich fassungslos) begann es am Fenster durch die Lüftung eiskalt zu ziehen. Ich fluchte leise und meine Sitzpartnerin gegenüber amüsierte sich köstlich. „Nimm deine Zeitung und präpariere den Schacht damit. Den Tipp hab ich von einem Schaffner mal bekommen!“ Mit Wasser befeuchtet und Sagrotan weiterhin klebend zementierte ich den Lüftungsschacht ins Jahr 2017. Vom Internet ausgeschlossen, wegen Drosselung und ohne Wlan schlich ich gelangweilt durchs Land. Nur nicht zu viel Wasser trinken, um nicht in die Gefahr der Toiletten zu kommen! Stinkend, klein und Angst vor desolater Tür, eingeschlossen zu bleiben, blieb ich diesem Etwas ein zweites Mal fern.

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Und als mein Mann mich vom Bahnhof abholte und ich über diesen Zug weiterhin durchgefroren noch mehr fluchte, stellte er beim Gehen fest, dass es der einzige Waggon war, der wohl die Zeit verpasste.

Alle, und wirklich alle anderen waren modern ausgestattet. „Ja warum hast du denn nicht den Waggon gewechselt?“ „Na, weil die Durchsage in Dresden kam, dass der Zug nur noch mit Platzreservierung zu betreten ist!“ 

Auch wenn der ÖPNV und ich nicht Freunde werden und mein Mann die Sorge hatte, ich wäre vielleicht schon auf der Moldau in Richtung Prag, so war es ein wunderschönes Wochenende mit meiner Mutter. Dresden ist mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten sehenswert.

 

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