Gedanken

Hallo beste Freundin – da bin ich wieder

Oft sind es Zufälle im Leben, die einander verbinden. Und oft sind es solche, mit denen du wirklich so gar nicht rechnest. Und dann sind sie so emotional, dass du weinst.

Sommer 2002 – Ich weiß noch genau wie sie durch die Tür in das Büro kam. Ein Esprit-Jeans-Anzug, dunkelblondes Haar, gebräunte Haut, lange Haare, die zum Pferdeschwanz gebunden waren und strahlend blaugrüne Augen. Es war Freundschaftsliebe auf den ersten Blick. Es war ein Blickkontakt, der uns für Jahre verband. Tagsüber im Büro, abends auf der Couch, eine Wochenende ohne uns – selten.

Wir konnten stundenlang Probleme zerreden, über Trash-Sendungen reden oder einfach stillschweigend nebeneinander sitzen. Wir waren unzertrennlich, trotz meiner Partnerschaft und späteren Ehe.

Sie ist und war eine Lebefrau, eine Frau mit Träumen für die Theaterbühne der Stadt. Ich war eine Frau, die das konservative Leben bevorzugte. Familiengründung Mitte 20. Bis zu diesem Lebensweg gingen wir den Weg gemeinsam. Und zwar ziemlich perfekt. Eine bessere Trauzeugin hätte ich nie haben können.

Dann kam es schleichend – der Lebensweg, der sich entzweite. Sie, die Ungebundene auf der Suche nach dem Applaus, ich die gebundene auf der Suche nach dem Familienglück…., das ich fand.

Die Besuche wurden kürzer, die Telefonate unregelmäßiger, die WhatsApp irgendwann gar nicht mehr. Der letzte persönliche Kontakt (und hier bekomme ich Gänsehaut) denn es war der Ort, an dem wir uns damals kennenlernten und uns nach 10 Jahre verloren: Hamburg, Winterhude, Leinpfad. Es muss wohl Schicksal gewesen sein…

Und nun klingt es märchenhaft: Eines Tages schlug ich die Zeitung auf und sah sie. Ein Foto von ihr in der Zeitung. Print – eine Liebe, die wir trotz des digitalen Zeitalters wohl noch immer lieben. Beide arbeiten wir für das (oder mit dem) traditionelle(n) Medium, das in der heutigen Zeit verschrien ist. Und das uns letztendlich wieder verbindet. Wir hatten wieder beruflich Kontakt  –  so wie wir uns kennenlernten im Jahr 2002. 15 Jahre später.

Wir schrieben uns förmlich an: „Liebe Frau H.  – Liebe Frau R. “ und sicherlich beömmelten wir uns vor dem jeweiligen PC.  „Wir müssen uns unbedingt wieder treffen!“

Silben, die oft ins Leere verschwinden.

Als ich auf Mallorca war, bekam ich  ihre Nachricht:  „Ich war heute mit der Zeitung in deinem Büro….“

Es sollten noch weitere Wochen vergehen, bis wir uns nach Jahren wiedersahen. Es war ein Sonntag Anfang September. Ein untypischer Ort für uns, die die Couch nach dem Trubel des Alltags immer genossen.

Der Hafen. Vielleicht nach dem Hamburger Symbol: Das Tor zur Welt. Beide hatten wir eine weite Anreise, wir im Norden der Stadt, sie noch nördlicher – mittlerweile.

Treffpunkt Magellan Terrassen. Eigentlich – als sie schrieb, sie seien noch im Parkhaus. Wir gingen an diesem Parkhaus vorbei und plötzlich öffnete sich die Tür und da stand sie.

Es trennten uns nur noch die große Straße mit der rotblinkenden Ampel. Mein Herz schlug und alles was ich feststellen konnte, war die Vergangenheit. Das einzige, was sich verändert hatte, waren vielleicht die dezenten Lachfältchen, die sich geschmeidig um ihre Augen bildeten.

 Es war, als wäre die Zeit stehen geblieben, als wären nicht die 5 / 10 Jahre dazwischen.

Und doch. Als wir nach Hause fuhren, reflektierte ich mich. Die Frage, die ich mir bis heute stelle ‚Hab ich mich verändert?‘

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